Erläuterungen zu den einzelnen Fächern
Ausbildungsfächer
Die Ausbildungsfächer sind:
Instrumentales Hauptfach (wöchentlich 45 Minuten)
Instrumental-Technik:
Der spieltechnische Teil vermittelt die Grundlagen für eine möglichst umfassende Beherrschung des Instruments. Dazu gehören alle handwerklichen Aspekte wie Tonbildung, spielerisches Können und Bewegungs-Repertoire. Das Lernen von körper- und instrumentengerechter Umsetzung von musikalischen Inhalten sowie ein musikalisches Basisvokabular (Tonleitern, Arpeggien, instrumentenspezifische Spieltechniken) stehen hier im Vordergrund.
Spiel-Repertoire/Musikalisierung:
Hauptanliegen ist das Erreichen eines eigenständigen, emotionalen und ästhetischen Gestaltens bzw. Erfahrens von Musik sowie der Aufbau eines aktiven Spiel-Repertoires. Im Rahmen von repräsentativen Stücken werden Fragen von Stilistik, Interpretation und Gestaltung geklärt. Dabei stellt die Ausbildung einer eigenständigen Vorstellung von und Haltung zur Musik einen wichtigen Aspekt dar. Das Erreichen einer sicheren Time, einer klanglichen/rhythmischen/melodischen/harmonischen Auffassungsgabe und ein sicherer Umgang mit Noten gehören ebenfalls dazu.
Pflicht-Nebenfach
- wöchentlicher Unterricht in Kleingruppen im Fach Klavier
- Schüler mit Hauptfach Klavier können das Nebenfach aus den anderen angebotenen Instrumenten wählen
Improvisationskonzepte
Das Fach Improvisationskonzepte vermittelt im Rahmen von Kleingruppen den Prozess des Improvisierens und seiner Rahmenbedingungen. Dies schließt folgende Aspekte ein:
- Improvisation als Prozess des Schaffens von Musik in Echtzeit
- Besonderheiten von Methoden von Vorbereitung und Üben im Gegensatz zu auskomponierter Musik
- Aufbau von Spiel-Vokabular (Konzeptionell und Stilistisch)
- Transkription und ihr Nutzen
- Ineinandergreifen von Musiktheorie, Gehörbildung und Improvisation
- Harmonische, rhythmische und melodische Konzepte in der Improvisation
- Umgang mit der Akkord-Skalen-Theorie nach dem Berklee-System
Gehörbildung
Das Fach der Gehörbildung trainiert die Fähigkeit zur Höranalyse auf Basis eines relativen Gehörs.
Arbeitsfelder sind:
- Vom-Blatt-Singen / Verbindung von Gehörtem mit Notentext und Zusammenhängen auf dem Instrument
- Hörendes Erkennen von Rhythmen/Metren/Taktschwerpunkten, Melodien, Zusammenklängen (Intervalle und Akkorde) mit und ohne musikalischen Bezug
- Hörendes Erfassen von musikalischen Formeinheiten und stilistischen Inhalten
- Umsetzen von Gehörtem auf dem Instrument bzw. Klavier
- Klangliches Bestimmen von Instrumenten nach Gehör
- Erwerb der grundlegenden Methoden für die Gehörbildung im Selbststudium (Arbeiten mit dem Instrument/Klavier, Singübungen, Anfertigen von Transkriptionen
Musiktheorie
Musiktheorie vermittelt ein System zur Benennung von Verhältnismäßigkeiten in der Musik. Dabei werden Systeme aus der Geschichte des tonalen Materials bis hin zu modernen Konzepten behandelt. Dabei ist das Hauptziel, einen Brückenschlag zwischen aktiver Ausübung und Reflektion von musikalischer Literatur zu erreichen. Dies geschieht in Kombination von Analyse, aktiven Kompositions-Aufgaben, Gehörbildung und Improvisation.
Arbeitsfelder sind hier:
- Notationslehre (Rahmenbedingungen der schriftlichen Fixierung von Musik)
- Visuelles Erkennen und Festhalten von musiktheoretischen Zusammenhängen (Tonleitern/Intervalle/Akkorde)
- Melodie-Lehre (Melodische Kontur, Regeln der Komposition von Melodien)
- Harmonie-Lehre (Akkord-Progressionen, Regeln der Stimmführung)
- Musikalischer Satz (Re-/Harmonisation von Melodien)
- Musikalische Formen (Motiv, Vorder-/Nach-Satz, Phrase, Stilistische Formen)
- Musiktheorie und Improvisation
- Umgang mit Musiktheorie und Analyse für die Spiel-Praxis
Hauptfachspezifische Methodik
Das Fach beschäftigt sich über zwei Semester im Format eines praktischen Seminars in Kleingruppen mit allgemeinen Aspekten der Arbeit auf dem jeweiligen Haupt-Instrument. Themenschwerpunkte sind:
- Basis-Technik, Allgemeine und besondere Spieltechnik(en), Tonbildung und Klangerzeugung
- Konzepte der Aufbereitung, Umsetzung und Anwendung von allgemeinem musikalischem Material in instrumentenspezifischen Bezugssystemen (z.B. Fingersatz/Organisations-Konzepte für Tonleitern, Arpeggien, Pattern, Sequenzen, Blattspiel, Everything-In-All-Keys-Approach, Stimmführung, Literatur anderer Instrumente)
- Für das Instrument besondere Arbeitweisen und Rahmenbedingungen der Ausübung, auch im Hinblick auf das Verhältnis „Konstruktionsprinzipien - Anatomische Gegebenheiten“ und die Vermeidung von Fehlhaltungen
- Musikalische Analyse von wichtigen Vertretern des Instruments und ihre chronologische bzw. historische Einordnung in die Haupt-Epochen der populären Musik
- Entwicklung des Instruments, Spielweise und Stellung in der Zeit
- Überblick über instrumentalspezifisches Spiel-Repertoire und maßgebliche Lehrwerke
- aktiven Erwerb der Inhalte für die eigene Musikausübung und Reflektion und Aufbereitung mit dem Ziel der Vermittlung an andere, d.h. die Fachmethodik ergänzt den Hauptfach-Unterricht und bereitet auf die Lehrpraxis vor.
Übemethodik
Wer gut sein will, muss üben. Der Übeaufwand am Hauptinstrument umfasst für die Zeit der Ausbildung mindestens zwei Stunden am Tag. Zur Unterstützung (auch für die Inhalte anderer Fächer) vermittelt das Fach mit den instrumentenübergreifenden Fragestellungen des Übeprozesses:
- Wie organisiere ich meinen Übe-Alltag, die Übe-Einheiten selbst, die Pausen dazwischen und das darin vorkommende Material?
- Was sind kurzfristige, was mittelfristige, was langfristige Themen und was ändert das für die Herangehensweise?
- Wie integriere ich Gehör, Verstehen, Visualisieren und taktile Prozesse zu einem umfassenden Übe-Prozess?
- Wie kann ich mein Üben selbst kontrollieren und bewerten?
- Wie funktioniert meine Wahrnehmung bzw. Aufmerksamkeit und was bedeutet das für den Vorgang und das zeitliche Maß des Übens?
- Wie speichere ich das Geübte so ab, dass ich es jederzeit wieder abrufen kann?
- Wie unterrichte ich mich selbst?
Bands in verschiedenen Stilistiken
Ziel ist, in verschiedenen Bands mit wechselnder Besetzung eine Studio- und Live-Situation zu simulieren. Working-Bands treffen sich einmal wöchentlich und spielen Repertoire unterschiedlicher Stilistik. Unter der Anleitung von Dozenten wird dabei vor allem an folgenden Punkten gearbeitet:
- Funktion und Integration des eigenen Instruments in die entsprechende Ensemble-Situation
- Aspekte des Zusammenspiels hinsichtlich Klang/Sound, Lautstärke/Blending, Time/Rhythmik
- Umsetzen von Arrangements im Hinblick auf die Spielsituation
- Kritik-Fähigkeit in einer Gruppe
- Podiums-Sicherheit, Bühnen-Präsenz
- Wechsel zwischen Ensemble-Musiker und Solist
- Persönliche Verantwortung der Gruppe gegenüber (Vor- bzw. Nachbereitung, Miteinander)
- Gefühl für Form, Ablauf, musikalischen Ausdruck
- Rahmenbedingungen der Probe-Arbeit (Vom-Blatt-Spiel, Vorbereitung, Fehler-/Problem-Behandlung)
- Verständnis für stilistische Zusammenhänge
- Erwerb von Spielrepertoire
- Zusammenhang zwischen Hauptfach-Unterricht und Ensemble
Die Bands absolvieren regelmäßig öffentliche Auftritte.
Songwriting
In wöchentlichen sowie Blockseminaren werden verschiedene Songwriting-Techniken vorgestellt und von den Schülern kontinuierlich praktisch angewandt. Ziel ist dabei kreatives Arbeiten unter Zeitdruck sowie das Erlernen zahlreicher Kreativ-Techniken für den späteren Produktionsalltag im Berufsleben.
Rhythmik
Der Rhythmik-Unterricht vermittelt alle notwendigen Fähigkeiten für das Auffassen von rhythmischen Strukturen in der Popular-Musik
- Abnehmen, Wiedergeben und Halten von Tempi
- Synkopieren von Zählzeiten
- Verschieben von rhythmischen Motiven auf andere Zählzeiten
- Repertoire an rhythmischen Patterns (Ein-, Zwei- oder mehrtaktig, Claven)
- Improvisieren von Rhythmen gegen einen festen Puls
- Transkription von rhythmischen Beispielen verschiedener Stilistik
Recording Basics
Die Grundlagen der Aufnahmetechnik und des Mixings sind Hauptinhalt dieses Seminars. Neben der Aufnahme zahlreicher Titel werden nahezu alle denkbaren Typen von Produktions-Szenarien alltagsnah durchgespielt.
Recording Advanced
Komplexe Setups sowie Tipps und Tricks für die inzwischen recording-erfahrenen Schüler werden hier erarbeitet. Komplett selbstgeschriebene Kompositionen werden von den Schülern arrangiert, aufgenommen und selbst gemischt.
Music Listening
In der Zeit von Youtube, i-Tunes, Myspace und anderen Online-Diensten, die Musik als schnell zugängliche, aber nur kurz haltbare Ware anbieten, will das Fach einen Kontrapunkt setzen und das Zeitnehmen für das Musikhören schulen, um den emotionalen Aspekt und damit die Wurzel der Musik wieder in den Vordergrund zu rücken.
Music Business
Funktionsweisen und Mechanismen des Musikgeschäftes werden hier aufgedeckt und erörtert und Grundlagen für die eigene freiberufliche Selbstständigkeit als Musiker erarbeitet und geschaffen.
- Überlegungen zur wirtschaftlichen Existenz als Musiker
- Begriffliche Definition und Abgrenzung von Musik-Kreation, Produktion und Verwertung
- Berufe und Gewerke des Music Business
- Urheberschutz und rechtliche Aspekte
- Entstehung, Lizenzierung und Wahrnehmung von Verwertungsrechten der Urheber
- GEMA, Verlage, GVL, Label
- Kalkulation
- Verwertungskette im Musikgeschäft
- Produkt-Management
- Promotion- und Marketingarbeit an Praxisbeispielen
- Booking & Event-Management
- Grundlagen der Volks- und Betriebswirtschaft
- Rechnungswesen
- Marketing & PR